Kleiner Dörnberg
Kalkmagerrasen am Kleinen Dörnberg
Kalkmagerrasen gehören wegen ihrer Pflanzenartenvielfalt und des Vorkommens vieler seltener und bedrohter Pflanzenarten (z.B. Orchideen und Enziane) zu den attraktivsten und gleichzeitig zu den gefährdetsten Pflanzengesellschaften in Mitteleuropa. Auch für zahlreiche schutzwürdige Tierarten, z.B. Insekten, sind sie ein wichtiger Lebensraum. Neben besonderen Boden- und Klimabedingungen verdanken die Kalkmagerrasen ihre Existenz der andauernden menschlichen Einflußnahme auf die Vegetationsdecke. Ihre Entstehung, die weit in die Geschichte zurückgeht, ist das Ergebnis der Auflichtung und Verdrängung des Waldes durch Rodung und Waldweide.
Ihre Erhaltung ist die Folge der dauerhaften Zurückdrängung des Waldes durch Beweidung vor allem durch Schafe und Ziegen, Entfernung aufkommender Gehölze (durch die “Schippe” des Schäfers) und auch gelegentliches Abbrennen der Pflanzendecke. Die dauerhafte Entwaldung und Offenhaltung führte zu einer Vergesellschaftung von trockenheitsertragenden, weidefesten, aber generell sehr lichtbedürftigen und insgesamt sehr konkurrenzschwachen Pflanzenarten, die ihren Verbreitungsschwerpunkt überwiegend im Mittelmeerraum bzw. in südosteuropäischen Steppengebieten haben. Neben 15 Orchideenarten (darunter etwa Bienen- und Fliegenragwurz, Purpur- und Helmknabenkraut) treffen wir im Naturschutzgebiet Dörnberg auf Vertreter der Korbblütler (z.B. Silber- und Golddistel), der Hahnenfußgewächse (z.B. das Große Windröschen) und der Schmetterlingsblütler (z.B. Wundklee), um nur einige ebenfalls auffällige oder attraktive Pflanzenarten aus der Vielzahl der vorkommenden Arten zu nennen.
Seit dem zweiten Weltkrieg wurden die Kalkmagerrasen aus ökonomischen Gründen immer weniger beweidet und fielen zunehmend brach. Ohne Nutzung kommt es zu einer spontanen Wiederbewaldung, d.h. zur zunehmenden Ausbreitung von Gehölzen, in deren Schatten die Mehrzahl der schutzwürdigen Pflanzenarten schnell verschwindet. Für den Naturschutz stellen Kalkmagerrasen somit ausgesprochene “Sorgenkinder” dar und bedürfen der Pflege u.a. durch Beweidung mit Schafen und Ziegen, aber auch durch mechanische Entbuschungmaßnahmen. Die Wanderung stellt all diese genannten Aspekte vor, liefert immer wieder weite Blicke in die Landschaft des Warmetals und erschliesst die unterschiedlich exponierten Hangbereiche des Kleinen Dörnbergs mit ihrer einzigartigen Strukturvielfalt, die in dem ständigen Wechsel offener Rasenpartien mit niedrigen und höherwüchsigen Gebüschen und kleinen Waldinseln an die Macchie des Mittelmeerraums erinnert.
Wer führt?
Privatdozent Dr. Wilfried Hakes
Diplom-Forstwirt., Dr. rer. nat., Lehrbefugnis für das Fach Vegetationsökologie am Fachbereich Naturwissenschaften der UniKassel und Lehrbeauftragter seit 1998
Mitautor eines Lehrbuchs sowie zahlreicher anderer Veröffentlichungen zur Vegetations- und Landschaftsökologie
20 Jahre Forschung in den Buchenwäldern, Wiesen und Weiden des Habichts- waldes und in den nordhessischen Magerrasen und Heiden
Info: www.ecocline.de
